Erasmus+

Lernen in Europa

Digitalisierung, Internationalisierung, Integration und demografischer Wandel verändern die Anforderungen am Arbeitsmarkt. Internationale Berufserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse werden in der globalisierten Welt immer wichtiger. Durch Auslandsaufenthalte können Auszubildende diese Kompetenzen erwerben.
Die Auseinandersetzung mit dem Leben im Gastgeberland, dem Lernen in der Partnerschule und dem Mitarbeiten im Austauschbetrieb führen zur persönlicher
Grenzerweiterung, zum Abbau von Vorurteilen und zu einem tieferen Werte- und Kulturverständnis.

Bereits seit dem Jahr 2000 bietet die Heinrich-Emanuel-Merck-Schule mit Unterstützung des Fördervereins DKBB ihren Auszubildenden berufliche Lernaufenthalte
im Ausland an. Diese Projekte stehen für eine erfolgreiche Umsetzung des Europäischen Einheitsgedankens und als Beispiel gelungener europäischer Zusammenarbeit
in der Berufsausbildung. Indem Werte wie Toleranz, Offenheit und das Interesse an anderen Kulturen gefördert werden, sind Projekte dieser Art ein Mehrwert
für alle Mitwirkenden. Der Gelehrte Erasmus von Rotterdam steht als Namenspatron für das EU-Programm Erasmus+.

Was ist Erasmus+?

Erasmus+ ist ein EU-Programm, das es Auszubildenden ermöglicht, mehrere Wochen im Ausland zu leben und zu arbeiten. Sie sind aber nicht als Urlauber
unterwegs, sondern erleben ihren künftigen Beruf in einem fremden Umfeld. Hauptsächlich werden interessierte Teilnehmer*innen über die Berufsschulen
ins Partnerland entsendet, die internationale Lernortkooperationen pflegen. Dort nehmen sie am Unterricht der Partnerschule teil und arbeiten im
Partnerbetrieb mit. Sie absolvieren damit einen Teil ihrer Berufsausbildung im Ausland. Während des Aufenthalts erleben die jungen Auszubildenden Land,
Kultur und Arbeitswelt aus der Perspektive ihrer Gastgeber*innen, verbessern ihre Sprachkenntnisse und bringen neue Methoden oder Arbeitsweisen mit in
die Schule und ihren Betrieb.

Das Programm Erasmus+ schafft  win-win-Situationen für alle Beteiligten: Azubis bereiten sich auf die Berufswelt vor, Berufsschulen pflegen europäische
Lernortkooperation und Unternehmen nutzen das Programm als „internationale Fortbildung“.

Was bringt Erasmus+ den Auszubildenden?

Auszubildende bekommen Impulse für ihre persönliche und berufliche Entwicklung. Sie sammeln schon sehr früh in ihrem beruflichen Werdegang Erfahrungen
im Ausland, und zwar in echten Arbeitssituationen. Dabei lernen sie nicht nur neue Prozesse und Verfahren kennen, sondern wenden auch ihr theoretisches
Wissen und praktisches Können an. Ebenso wichtig ist das Training in der Zusammenarbeit  mit Kolleg*innen aus anderen Kulturen und Sprachen. Die neue
Arbeitsumgebung wird dadurch immer vertrauter, das bringt Sicherheit im Umgang mit den Menschen und den Arbeits- und Geschäftsprozessen im Partnerbetrieb.
Die Azubis bauen Vorurteile ab und entfalten Toleranz. Wer teilnimmt, erhält den Europass Mobilität – ein Zertifikat über den Auslandsaufenthalt, was
einen Vorteil bei späteren Bewerbungen bietet.

Wie profitieren Unternehmen von Erasmus+?

Die Betriebe nutzen Lernaufenthalte im Ausland als Möglichkeit, ihre künftigen FacharbeiterInnen zu fördern und zu motivieren. Man kann es als Imagepflege
oder sogar Marketingstrategie ansehen. Angesichts von demografischem Wandel und Fachkräftemangel machen sich Arbeitgeber für Bewerber attraktiv. Sie
profitieren von Know-how und Kontakten, die ihre Auszubildenden aus dem Ausland mitbringen. Vor allem geben sie ihren Azubis damit Impulse für deren
persönliche und berufliche Entwicklung. Oder aus anderer Perspektive: Sie machen gezielte Personalentwicklung.

Was macht die Berufsschule?

Schon seit dem Jahr 2000 organisiert die HEMS im Rahmen von EU-Programmen Lernaufenthalte bei ihren Partnerschulen und -betrieben in Tschechien, Österreich,
Slowakei, Portugal, Lettland und Italien. Die HEMS hat für alle diese Maßnahmen ein tragfähiges und überzeugendes Austauschkonzept erarbeitet. Die jungen
Menschen sollen im Ausland interkulturelle Kompetenzen erwerben, sich selbstständig in ein anderes System einpassen, sich darin behaupten und durchzusetzen.

Bewährt hat sich eine Besuchsdauer von drei Wochen. Gute schulische und betriebliche Leistungen sind Voraussetzung für die Teilnahme. Die Auszubildenden
werden von Schule und Betrieb gemeinsam ausgewählt. Das ist auch notwendig, denn sie sind immerhin Botschafter*innen im Gastland. In 16 Unterrichtsstunden
werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachlich und kulturell auf ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet. Sie lernen Alltags- und Fachbegriffe und
wertvolles über das politische und kulturelle Leben im Partnerland. Zudem erhalten sie praktische Tipps für die Reise und die Partnerstadt.

Was sagen die TeilnehmerInnen?

Die Auszubildenden schätzen ihre neuen Erfahrungen und die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. In ihren Evaluations- und Erfahrungsberichten schreiben
sie durchweg positiv: „Super“, „fachlich, methodisch, sozial und kulturell sehr viel gelernt“ oder: „total froh“, „sehr schöne Zeit“. Viele betonen, dass
sie jederzeit wieder teilnehmen würden und ermutigen ihre MitstreiterInnen im Unternehmen und der Schule, diese „tolle Chance“ unbedingt zu nutzen.

Das sind Worte, die nicht nur Lohn und Bestätigung sind, sondern auch Motivation für die Berufsschulen, weiterhin junge Leute auf die Spuren von Erasmus
von Rotterdam zu führen.

Gerald Hubacek, Heinrich-Emanuel-Merck-Schule Darmstadt, (hck@hems.de)